13. Tagung des Fonds für bedrohte Papageien in Walsrode
Die Referenten
Marion Wiegel, Kulmbach
Zum 20-jährigen Bestehen des „Fonds für bedrohte Papageien“ fand am 26.
September 2009 die alljährlich stattfindende Tagung zum zweiten Mal im
Vogelpark Walsrode statt. Bereits am Freitagabend fanden sich über 80
Teilnehmer zu einer Führung durch den Park ein. Abends stand das
Restaurant „Rosengarten“ für ein erstes Kennenlernen und geselliges
Beisammensein zur Verfügung.
Die Tagung am Samstag fand in den Räumlichkeiten der Indoor-Show mitten
im Vogelpark statt, und die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, von
Freitag bis Sonntag kostenlos den Park zu besuchen. Zu Beginn der
Veranstaltung begrüßte René Wüst, der Sprecher des Fonds, einer
Arbeitsgruppe der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und
Populationsschutz e.V. (ZGAP), die über 180 Anwesenden sowie die
Referenten.
Den ersten Vortrag hielt Simon Bruslund Jensen, Zoologischer Direktor
des Vogelparks Walsrode, über die Handaufzucht von seltenen
brasilianischen Papageienarten. Zunächst präsentierte er einen Überblick
über die vielfältigen Schutz- und Zuchtprogramme, an denen der Vogelpark
Walsrode weltweit beteiligt ist. Anschließend stellte er zwei selten
gehaltene Papageienarten aus Süd-amerika vor: den Blaubauchpapagei
(Triclaria malachitacea) und den Scharlachkopfpapagei (Pionopsitta
pileata). Detailliert berichtete er über Lebensraum, Biologie und
Bedrohung sowie Zuchterfolge mit diesen beiden Spezies.
Aktuelles über das Schutzprojekt des Kleinen Soldatenaras (Ara
militaris) in Kolumbien erfuhren die Teilnehmer von Dr. Ralf Strewe aus
Santa Marta in Kolumbien. Seit mehr als zwölf Jahren leitet Dr. Strewe
Forschungsprojekte in Südamerika. In den letzten 50 Jahren wurden viele
Waldgebiete in Kolumbien abgeholzt oder abgebrannt, insbesondere der
Tieflandregenwald wurde stark zerstört und dadurch die Nahrungsgebiete
seiner Bewohner fragmentiert. Dr. Strewe berichtete über die geplanten
und durchgeführten Schutzmaßnahmen, wie das Anbringen von Nistkästen und
die Schaffung eines zusammenhängenden Schutzkorridors. Da in diesem Land
der Naturschutz noch keine große Bedeutung hat, gibt es auch bei diesem
Projekt etliche Probleme, beispielsweise die schwierige
Überzeugungsarbeit und Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung.
Nach einer kurzen Pause führte Detlev Franz aus Wackernheim mit seinem
Vortrag auf die Spuren des Karolinasittichs (Conuropsis carolinensis).
Für seine Angaben zum ehemaligen Verbreitungsgebiet in Nordamerika, zu
Nahrungspflanzen und zum Verhalten dieser einst weit verbreiteten Art
hatte der Referent historische Dokumente studiert. Anhand von
untersuchten Bälgen wurden Krankheiten, Deformationen und Abweichungen
im Gefieder aufgezeigt. Bedrückend war zu sehen, wie gut das Aussterben
des Karolinasittichs in der Literatur von 1810 bis 1938 dokumentiert
ist. Die Ursachen für den Niedergang dieser Spezies waren Jagd, Fang,
Einschleppung fremder Tierarten sowie die Habitatzerstörung.
Anschließend hielt der leidenschaftliche Naturfotograf Karl-Heinz
Lambert seinen ersten Diavortrag über die Papageien Südamerikas. Bei
seinen diversen Reisen auf diesem Kontinent gelangen ihm spektakuläre
Aufnahmen der dortigen Tierwelt. Bei diesem Vortrag lag sein Schwerpunkt
in Brasilien. Er zeigte Raritäten aus der Papageienwelt wie den Lear-Ara
(Anodorhynchus leari) oder den Goldsittich (Guaruba guarouba), aber auch
zum Beispiel den seltenen Riesenotter (Pteronura brasiliensis) und einen
Jaguar (Panthera onca), so dass man einen guten Eindruck von der
Vielfalt der südamerikanischen Natur bekam.
Nach der Mittagspause berichtete Nicole Ludwig aus Köln vom Training mit
einer der bedrohtesten Papageienarten der Welt, dem Spix-Ara
(Cyanopsitta spixii). Im Jahr 2008 besuchte sie vier Wochen lang die Al
Wabra Wildlife Preservation in Katar, ein wissenschaftlich geführtes,
privates Zuchtzentrum für stark bedrohte Wildtierarten, um dort
Spix-Aras zu trainieren und Brutbeobachtungen durchzuführen. Spix-Aras
gehören zu den bedrohtesten Papageien der Welt, da sie in der freien
Wildbahn bereits ausgerottet sind und nur noch in Menschenobhut
vorkommen. In Al Wabra lebt mit 52 Tieren ein bedeutender Teil der
Population.
Der für seine Papageienbilder bekannte Maler Bernd H. Gerischer aus
Freiberg unternahm zusammen mit dem Tierfilmer Johann Janßen aus
Leezdorf mehrere gemeinsame Reisen zu Inseln Französisch-Polynesiens.
Die Anreise zu diesen Inseln ist kompliziert, Lohn waren aber Aufnahmen
von seltenen Loris: von Saphirloris (Vini peruviana), Smaragdloris (Vini
ultramarina) und Rubinloris (Vini kuhlii). Alle drei Lori-Arten sind
durch eingeführte Säugetiere gefährdet, insbesondere durch Hausratten
(Rattus rattus), und auf einigen Inseln sind die Lori-Populationen
bereits erloschen.
Morten Johansson aus Dänemark hält seit 1985 Papageien der Gattung
Poicephalus. Der Spezialist für Langflügelpapageien und Zuchtbuchführer
berichtete über seine Erfahrungen in der Haltung und Zucht verschiedener
Vertreter dieser Gattung. Die Interessengemeinschaft für die Gattung
Poicephalus in Dänemark besteht seit 1995, derzeit hat sie 78
Mitglieder. Es werden Kontakte zu Haltern in Deutschland, Holland,
Schweden und Norwegen gepflegt. Detailliert ging der Referent auf die
einzelnen Spezies und ihre Besonderheiten ein. Auch in Dänemark besteht
bei einigen Arten das Problem, dass zu wenige Züchter ihre Tiere in
einem Zuchtbuch registrieren lassen und zu wenige Vögel in Menschenobhut
gepflegt werden, um einen soliden Zuchtstamm aufzubauen.
Klaus Sasse vom Arbeitskreis Papageien des Fonds hat im Juli 2008
gemeinsam mit Thomas Arndt, dem Herausgeber von PAPAGEIEN, die Insel
Sumba (Indonesien) besucht. Hier liegt die Heimat des vom Fonds seit
vielen Jahren geförderten Orangehaubenkakadus (Cacatua sulphurea
citrinocristata). Sasse präsentierte dem Auditorium nicht nur Bilder vom
Besuch einer Schule, in der die Lehrer den Kindern die einheimischen
Vögel vorstellen und ihnen die Bedeutung von Schutzmaßnahmen erläutern,
sondern auch ein auf Sumba mittlerweile populäres Kinderlied, das für
den Erhalt der seltenen Kakadus wirbt. Umfassend stellte Herr Sasse die
aktuelle Situation der Papageien und die vom Fonds finanzierten
Schutzmaßnahmen in beeindruckenden Bildern vor.
Dr. Heinz Tischer berichtete über die Entwicklung und den aktuellen
Bestand des Lear-Aras (Anodorhynchus leari). Vor acht Jahren wurde die
Gesamtpopulation auf etwa 200 Tiere geschätzt. Die Zahl der Lear-Aras
ist dank der Arbeit von Artenschutzorganisationen auf rund 850 Tiere
gestiegen und wurde vor kurzem von BirdLife von der Kategorie
„critically endangered“ in die Kategorie „endangered“ herabgestuft. Dr.
Tischer berichtete insbesondere über die Bemühungen des Farmers Otavio
de Farias, welcher ein privates Schutzgebiet für die Aras eingerichtet
hat. Er stellte die Maßnahmen vor, die zum Schutz ergriffen wurden, und
die Entwicklung, die das Projekt in den letzten Jahren genommen hat. Der
illegale Fang stellt aber immer noch ein Problem dar, dem derzeitig und
auch zukünftig entgegengewirkt werden muss.
Die Tagung fand ihren gelungenen Ausklang im Restaurant „Rosengarten“,
wo nach dem Abendessen Karl-Heinz Lambert den zweiten Teil seines
Diavortrags zeigte, der die Teilnehmer unter anderem in die Karibik
führte. Es waren beeindruckende Freilandaufnahmen aus der Papageienwelt
zu sehen.
Zum Abschluss stellte René Wüst die aktuellen Projekte des Fonds für
bedrohte Papageien vor. Zum 20-jährigen Jubiläum gab es auch noch einen
Rückblick und die sehenswerte Bilanz des Fonds: Seit dem Jahr 1989
konnten 42 Papageienarten im Freiland durch Schutzprojekte unterstützt
werden, in die insgesamt fast 500.000 Euro flossen.
Am Sonntag bestand noch die Möglichkeit, an einer Führung hinter die
Kulissen des Vogelparks teilzunehmen, was auch rege genutzt wurde, und
bei schönem Wetter die Pflanzen- und Vogelvielfalt in Walsrode zu genießen.
Das Fazit der Veranstaltung: Sie war rundum gelungen und in Verbindung
mit dem Besuch des herrlichen Vogelparks Walsrode ein besonderes
Ereignis. Nicht nur der „Fonds für bedrohte Papageien“ erntete viel Lob
für die Ausrichtung der Tagung, sondern auch das Vogelpark-Team, das
sich – allen voran Simon Bruslund Jensen – in bemerkenswerter Weise für
das Gelingen der Veranstaltung einsetzte und erneut demonstrierte, dass
der Park immer einen Besuch wert ist.
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