Die Tagung des Fonds für bedrohte Papageien 2006 in Kevelaer
Am Samstag, den 21. Oktober 2006, fand in Kevelaer die 10. Tagung des "Fonds für bedrohte Papageien", des "Arbeitskreises Papageien" innerhalb der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP), statt. 140 Interessierte fanden sich im NiederRheinPark Plantaria ein. Der Park hat zwei Schwerpunkte - Hühnervögel und Papageien - und beherbergt mehr als 1.000 Vögel, außerdem verschiedene Affenarten und einige Nagetiere.
Der Tagungsort lag inmitten des Vogelparks, und die Besucher hatten die Möglichkeit, von Freitag bis Sonntag kostenlos den Park zu besuchen und sich am Samstag in den Nebengebäuden der Halle an verschiedenen Ständen über papageienspezifische Produkte zu informieren. Vor Ort waren ein Bücherstand, der Futtermittelhersteller Versele-Laga, die Firma Volierenparadies, Frau Melanie Steinkopf mit ihren Papageien-Weinen aus der Toskana sowie Karl-Heinz Schallenberg und Renate Brucker mit ihren DVDs. René Wüst, der Sprecher des Fonds, begrüßte gemeinsam mit Werner Neumann, dem Zoologischen Leiter des Parks, die Teilnehmer. Im ersten Vortrag berichtete Werner Neumann über die Entstehung des NiederRheinParks, und man merkte hierbei deutlich, wie sehr sein Herz daran hängt.
Im zweiten Vortrag referierte Marion Wiegel aus Kulmbach über ihre Reise mit Stefan Mederer nach Costa Rica. Sie besuchten unter anderem die Auswilderungsprojekte für den Großen Soldatenara (Ara ambiguus) und den Hellroten Ara (A. macao).
Nach einer kurzen Pause sprach Dr. Marcellus Bürkle, Tierarzt aus Karlsruhe, über den Status der Königsamazone (Amazona guildingii) und die geplanten Maßnahmen zur Rettung dieser bedrohten Spezies von der kleinen Karibikinsel St. Vincent.
Weiter ging es mit einem Praktiker in der Papageienzucht: Walter Braßeler, der Sprecher der AZ-IG-Loris aus Kevelaer, berichtete über die Haltung und Vermehrung von Loris in Menschenobhut. Die anschließende Mittagspause nutzten die Teilnehmer zum Besuch des Parks.
Der Vortrag von Tierarzt Dr. Veit Kostka aus Hamburg hatte ein sehr wichtiges Thema: die Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Papageien. Leider nur allzu selten sind sie Gegenstand von Vorträgen oder Publikationen, und so folgten die Teilnehmer besonders aufmerksam den Ausführungen von Dr. Kostka.
Der letztjährige Preisträger der "Gesellschaft für Tropenornithologie e.V. (GTO)", Jörg Asmus aus Güstrow, berichtete über den aktuellen Stand der Zuchtbücher innerhalb der "Vereinigung für Zucht und Erhaltung einheimischer und fremdländischer Vögel e.V. (VZE)", wobei er ausdrücklich darauf hinwies, dass sich auch Nicht-Mitglieder an den Projekten beteiligen können, was speziell bei dem Zuchtbuch für Grassittiche (Neophema) dringend erforderlich wäre.
Karl-Heinz Schallenberg aus Münster besuchte in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Heimatländer von Papageien. Ein besonderes Anliegen ist ihm der Erhalt der Pompadoursittiche (Prosopeia tabuensis) auf Tonga. In seinem sehr emotionalen Referat ging es um die schwierigen Umstände bei Haltung und Zucht sowie der Wiedereinführung von Pompadoursittichen auf zwei tongaischen Inseln.
Eine Kurzvorstellung der aktuellen Fonds-Projekte erfolgte durch René Wüst aus Stuttgart. Momentan gibt es sieben aktive Projekte - zum Beispiel für den Orangehaubenkakadu (Cacatua sulphurea citrinocristata), den Ouvéa-Sittich (Eunymphicus uvaeensis) und den Rotsteißkakadu (Cacatuahaematuropygia) -, zwei weitere sind in Vorbereitung. Darüber hinaus berichtete René Wüst über die aktuelle Entwicklung beim Santa-Marta-Rotschwanzsittich (Pyrrhura viridicata) in Kolumbien, über dessen Situation er bereits auf der 9. Tagung in Köln-Porz ausführlich referiert hatte. Er zeigte Fotos von den sehr erfolgreich durchgeführten Wiederaufforstungsmaßnahmen mit einheimischen Gehölzen.
Über das neue Projekt zum Schutz des Molukkenkakadus (Cacatua moluccensis) auf Seram (Indonesien) sprach Thomas Arndt, Papageienspezialist und Herausgeber der Zeitschrift Papageien.
Die Gesamteinnahmen der Fonds-Tagung von EUR 5.324,10 werden ausschließlich dem Papageienschutz zugute kommen.
Anschließend an die Referate hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, an einer kleinen Weinprobe mit Käse und Salami aus der Toskana teilzunehmen. Frau Melanie Steinkopf, die Besitzerin eines kleinen Weinguts in Italien, bietet einen speziellen "Papageienwein" an (welcher selbstverständlich nur für den menschlichen Verzehr geeignet ist). Mit jeder Flasche Wein unterstützt der Käufer die Arbeit des Fonds, denn ein Teil des Erlöses fließt als Spende in die Fonds-Projekte.
Ein Bericht aus dem Ausland
erschienen in dieser Zeitschrift:
