Stand und Planungen für das Orangehaubenkakadu-Projekt auf der Insel Sumba Der Orangehaubenkakadu (Cacatua sulphurea citrinocristata) ist eine von vier Unterarten des Gelbwangenkakadus, die allesamt als kritisch gefährdet eingestuft werden. Der Orangehaubenkakadu kommt nur auf der Kleinen Sunda-Insel Sumba im Südosten Indonesiens vor. Rückgang von Nistmöglichkeiten und vor allem Fang und Handel bedrohen C. s. citrinocristata massiv (vgl. ZGAP Mitteilungen 2/00, 1/02). 2002 führte BirdLife Indonesia mit einer Förderung in Höhe von 13.000 € durch den Fonds für bedrohte Papageien / ZGAP die Phase I eines Projektes mit den folgenden Aktivitäten durch:
Ein wichtiges Ergebnis in Phase I war die Bestätigung von Fang und Handel als Haupt-bedrohungsfaktoren, weshalb diese in Phase II im Mittelpunkt der Schutzbemühungen stehen werden. Zur Weiterführung (2003/04) stellte BirdLife Indonesia einen Förderungsantrag an die ZGAP und andere Geldgeber in Höhe von 63.218 US$, 20.000 € konnten übergeben werden. Hintergrund: Die Insel Sumba ist mit einer Fläche von 10.902 km² die drittgrößte Insel in der Provinz Ost Nusa Tengara und eine der trockensten und am wenigstens entwickelten Regionen Indonesiens. Die Insel besteht aus trockenen Kalksteinbergen, 72 % sind offenes Grasland, Landwirtschaft wird als Trockenfeldbau betrieben. Wald bedeckt nur noch 8 % der Inselfläche. Sumba beherbergt mindestens 182 Vogel-, 22 Säuger-, 29 Reptilien- und 7 Froscharten, davon endemisch sind mindestens 8 Vogel-, 3 Reptilien- und 4 Amphibienarten. Forstschutz und die Arbeit von BirdLife Indonesia in Sumba: Die einst ausgedehnten Wälder von Sumba sind durch Wanderfeldbau und Holzgewinnung stark fragmentiert mit 44 Restflächen von 16 ha bis 26.150 ha. Fünf von ihnen sind grösser als 2500 ha, 45 % kleiner als 500 ha. Der Waldverlust gefährdet nicht nur die Biodiversität, sondern auch die lokale Wirtschaft. Den Wald zu verlieren bedeutet, das charakteristische Naturerbe Sumbas auszulaugen. Mit Unterstützung von DOF BirdLife Dänemark und Danida wurde 2000 ein Waldschutzprojekt zur Unterstützung nachhaltigen Managements beider Nationalparks der Insel (Manupeu-Tanadaru, Laiwanggi-Wanggameti) ins Leben gerufen. BirdLife Indonesia arbeitet hierbei eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen. In dieser Zeit konnten zudem Auswilderungen von beschlagnahmten Vögeln durchgeführt werden (u. a. Kakadus und ein Sumbahornvogel, Aceros everettii) BirdLife Indonesia bemüht sich nun um Mittel, um die von Danida gesponserte Arbeit für weitere 3-4 Jahre zu sichern. Die Zusammenarbeit mit dem Directorate General PHKIA, der verantwortlichen Regierungsabteilung für Forst- und Naturschutz, wird durch ein am 12. 9. 2002 unterzeichnetes Memorandum of Understanding sichergestellt. Ferner arbeitet BirdLife Indonesia mit den lokalen und Provinz-Naturschutzabteilungen sowie den lokalen Regierungen der Distrikte West- und Ost-Sumba zusammen. Bedrohung für den Ortangehaubenakadu und daraus resultierender Handlungsbedarf: Der Gelbwangenkakadu mit seinen Unterarten wurde 1988 als "endangered" eingestuft, rückte aber 2001 in die höchste Bedrohungsstufe "critical". Hauptbedrohung ist der Fang für den nationalen und internationalen Handel. Von 1984-1990 lag die Quote der legal exportierten Vögel aus Sumba bei 11.000 pro Jahr. Die CITES-Bestimmungen haben seit 1994 den internationalen Handel beschränkt, dennoch bleibt die Nachfrage bestehen, und man findet immer noch Vögel auf den Vogelmärkten von Bali und Java. Offizielle Zahlen der Regierung zeigen, dass im Jahr 2000 172 Cacatua suphurea, darunter 49 C. s. citrinocristata, von Bali exportiert wurden. Gemäß vorliegender Exportgenehmigungen soll es sich um Nachzuchten in zweiter Generation handeln, obwohl auf Bali keine Zuchteinrichtungen bekannt sind, von denen Nachzuchten in zweiter Generation zu erwarten wären. 2002 wurde ein Züchter in Waikabubak ermittelt. Er hat im Juni 2002 52 Kakadus von der Insel exportiert. Der Bestand des Orangehaubenkakadu ist klein und rückläufig. 1989 und 1992 wurde er auf etwa 1150-2644 Vögel geschätzt, außerhalb der zwei Nationalparks konnten 2002 ca. 600 Individuen festgestellt werden. Die lokalen Einwohner sind sich über die Bedeutung oder sogar die Existenz und das Verschwinden der Vögel nicht bewusst, einige sind direkt in die Wilderei involviert. Andere fühlen sich zu machtlos, um dagegen vorgehen zu können. Auch die Aktivitäten der Regierungsstellen sind aufgrund mangelnden Wissens und logistischer Probleme minimal. Es ist somit eine der Hauptaufgaben des Projektes, ein Problembewusstsein unter der gesamten Bevölkerung Sumbas zu schaffen. Instrumente sind die Massenmedien, Schulbesuche, Präsenz bei Festivitäten, Diskussionen und Filmvorführungen für die Hauptzielgruppe. Eine engere Zusammenarbeit mit den Regierungsstellen findet statt, insbesondere wird auf wirkungsvollere Gerichtsverfahren bei Vergehen gegen Naturschutzgesetze gedrängt. Beschreibung und zu erwartende Ergebnisse in Phase II: Langzeitziel ist die Bewahrung des Orangehaubenkakadus und seiner Habitate. Dabei wird ganz entschieden auf die Mitwirkung der lokalen Bevölkerung gesetzt. Ein wesentlicher Teil der Arbeit wird in der Überwachung der Verkehrswege vom Wald zum Hafen sowie in der Überwachung der Populationen bestehen. Vorrangiges Ziel muss sein, dass in den kommenden zwei Jahren die Entnahme der Vögel abnimmt und eine Stabilisierung der Populationsgröße erreicht wird. Auch die Zahl der in Wilderei und Schmuggel involvierten Menschen soll gesenkt werden. Die Maßnahmen dazu werden kombiniert aus (Bewusstseins-)Bildung, Überwachung und Gesetzesvollstreckung. Dies sind die Hauptarbeitbereiche: 1. Vermehrte Einbeziehung der Schulen, Gemeinden und Regierung in die Schutzbemühungen um den Orangehaubenkakadu Flugblätter sollen unter der Bevölkerung verteilt werden. Öffentliche Veranstaltungen sollen dazu benutzt werden, Werbung für den Schutz des Kakadus zu machen. Möglichkeiten werden ausgelotet, Nachrichten auch auf anderen Kanälen zu verbreiten, z. B. durch Dorfregierung, Dorfforstschutzgruppen, die Kirche und traditionelle Institutionen. 2002 konnte mit Unterstützung der ZGAP ein Film fertig gestellt werden, der in der Aufklärungsarbeit eingesetzt wird. Umfragen in der Bevölkerung sollen zu Beginn, in der Mitte und zum Ende der Projektphase den Wissensstand der Menschen und deren Einstellung zu Wald und Kakaduschutz ermitteln. Organisierte Diskussionen sollen die Zusammenarbeit und Projektverbundenheit zwischen den verschiedenen involvierten offiziellen Stellen und Gremien verbessern. 2. Informationen über die Bestandsentwicklung des Orangehaubenkakadu und der anderen Papageien sowie über Fang und Handel Zielgerichtetes Monitoring wird anhand der Bestandsentwicklung der Kakadupopulationen sowie des Umfangs/Rückgangs des Fanges und Handels die Wirkung des Projektes feststellen. Die Zählungen sollen im Laufe der zweiten Projektphase zwei- oder dreimal durchgeführt werden (vor und nach der Fangsaison). Auch Zwischenlager und Häfen sollen beobachtet und offizielle Stellen über Verstöße in Kenntnis gesetzt werden. 3. Rückgang im Handel mit Kakadus und anderen Papageien Während Aufklärung und Bildung das langfristige Überleben der Art sichert, muss durch Gesetzesvollstreckung das kurzfristige Aussterben von Populationen verhindert werden. Dazu sollen Rangergruppen ausgerüstet werden, die innerhalb der kommenden zwei Jahre mindestens 50 % der Lockvögel – ein wichtiges Werkzeug der Vogelfänger – beschlagnahmt sollen. In Kooperation mit Polizei, Forst- und Wildlife-Behörden sollen Wilderer vermehrt strafrechtlich verfolgt werden, zudem sollen auch für sie Bildungsveranstaltungen und -materialien erstellt werden ("Education and Warning"). So sollen bis einschließlich 2004 mindestens 50 % der Wilderer ihren Lebensunterhalt auf andere Weise verdienen. Personal und Betriebsmittel In Phase I wurde ein Sumba Parrot Conservation Officer (PCO) eingestellt. Er und sein Assistent führen die meisten Projektaktivitäten aus. Beide sind Einheimische, und langfristig ist geplant, dass sie in die Lage kommen, die Schutzbemühungen ohne Hilfe von außen durchzuführen. Es wird eine Zusammenarbeit mit BAPEDALDA (Government Environmental Agency) für West und Ost-Sumba und KSDA (Wildlife Conservation Department) geben. Regelmässige Koordinationstreffen mit Regierungsdienstellen (u. a. zur Strafverfolgung) sind geplant. Die Gesamtverantwortung für das Projekt wird beim Leiter des Conservation Programme Teams in Bogor liegen, mit Unterstützung durch Fachkräfte für Biodiversität, Verwaltung und Finanzen. Summary The Sumba cockatoo, one of four sub-species of the critically endangered Yellow-crested cockatoo, is only found on Sumba Island. Decline of population due to loss of nesting habitat and catching of birds for trade, gives cause for concern that the critically endangered sub-species will not survive. In 2002, 600 birds were counted. In 2002, BirdLife Indonesia (with aid of ZGAP) mainly undertook actions to analyse the actual situation of the sub-species. According to that, trapping is the main thread to the birds. In 2003/04, efforts are to be taken to reduce pressure on the species and to strengthen efforts for its conservation through increasing active involvement of the Sumba community, including villagers, government and the public, monitoring the trend in the population as well as levels of trapping and trading of the Sumba Cockatoo and other parrots in Sumba, and finally addressing trading and trapping directly through promoting and supporting law enforcement. |
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